Tortour de Ruhr, Duisburg, 24.05.2026
Die TorTour de Ruhr ist ein Ultralauf von der Ruhrquelle im Sauerland bis zur Mündung am „Rheinorange“ in Duisburg, 230 km. Als Teilstrecke wird der „Bambinilauf“ mit 100 km angeboten, was schon mehr ist, als ich je gelaufen bin. Das Rennen, das zum letzten Mal stattfand, ist privat organisiert, also zwar professionell aber nicht kommerziell, und jeder muss seine eigene Crew zur Versorgung mitbringen. Etwa 80% der Läufer haben auch schon früher einmal teilgenommen, also quasi ein Lauf unter Freunden.
Dieses Wochenende war das bislang heißeste des Jahres – dem entsprechend sind von den 230-km-Läufern von 112 Startern auch nur 51 ins Ziel gekommen (erster Platz 26:38 h), auf die 100 km von 158 immerhin 136 (erster Platz 09:15 h). Hydrierung ist eines der Hauptthemen beim Ultralauf – und gestern war wirklich extrem. Hat bei mir glücklicherweise ganz gut geklappt, was aber nicht heißt, dass der Marathon des Sables als Wüstenlauf ein persönliches nächstes Ziel wäre. Die zweite Herausforderung ist die Energiezufuhr. Man muss die Maschine am Laufen halten, ohne dass der Magen eigentlich Lust auf Essen hat und man manchmal schon bei einem Schluck Wasser das Gefühl bekommt, sich übergeben zu müssen. Das ist tatsächlich mehr Läufern passiert als man denken sollte. Hier bin ich mit meiner bewährten Kombination aus Gelen, isotonischen Getränken, Elektrolytabletten, Snickers und diesmal auch Wiener Würstchen aus dem Glas gut hingekommen. Nach dem Lauf war mein Magen aber auch am Ende, so dass ich nicht gewusst hätte, was ich als Nächstes hätte zu mir nehmen sollen. Erst zwei Stunden danach sagte der Bauch plötzlich „Hamburger und Zwiebelringe“ und eine kurze Fahrt zu Burger King hat mir die erste wirklich feste Nahrung des Tages beschert. Ein wahrlicher Segen ist die eigene Crew (Dank an Toni und Christina!) , die man so alle 10 km trifft. Man lässt sich einfach in einen Stuhl fallen, während die Crew den Laufrucksack frisch befüllt und einem Handtuch, Essen, Getränke, Sonnencreme etc. anreicht. Und vor allem für Ermutigung sorgt, denn wenn man so umhegt wird, kann man nicht aufgeben. Übrigens bin ich erstaunlicherweise, obwohl ich wirklich nur ankommen wollte und reichlich Sitz- und Gehpausen eingelegt habe, auf Platz 32 von 136 gelandet. Hat also am Ende alles gepasst.
Was habe ich mitgenommen?
- Das Ruhrtal ist viel schöner als man gemeinhin so denkt.
- „Which is more important“ asked Big Panda, „the journey or the destination?“ „The company“ said Tiny Dragon (aus dem Buch Big Panda and Tiny Dragon). Das gilt für die Crew und auch für die Mitläufer, man kümmert sich um einander und hält auch das eine oder andere interessante Schwätzchen.
- Dankbarkeit. Dafür, dass die Natur im Frühsommer wirklich wunderschön ist, dafür, dass man bei dem ganzen weltweiten politischen Aufruhr hier einen Ort des Friedens hat, dafür, die Konstitution zu haben, an solch einer Veranstaltung teilzunehmen. Auch andere Trail- und Ultraläufer bestätigen mir immer wieder, dass Dankbarkeit der Begriff ist, den sie am meisten mit dem Sport verbinden.
Werde ich demnächst dann 230 km oder wenigstens die klassischen 100 Meilen laufen? Ich bin nicht sicher. Es war wirklich hart, obwohl ich nicht einmal Schmerzen oder irgendwelche sonstigen größeren Beschwerden hatte. In zwei Wochen geht es erst einmal in Japan zu einem Traillauf am Fuße des Fuji, reine Natur und nur halb so lang, also Genuss statt Strapaze. 100 km sind wirklich hart.