UTMB Trail Verbier St Bernard, 11.07.2026
Nachdem ich bisher im Wesentlichen bei regional beliebten Läufen unterwegs war, hatte ich mir für 2026 die Teilnahme an einem der Läufe der UTMB World Series vorgenommen, und zwar in den Alpen. UTMB ist die (profitorientierte) Organisation, die auch hinter der Marke Ironman steckt. So wie der Ironman auf Hawaii eine Art Weltmeisterschaft der Triathleten ist, so ist im August der „Final“-UTMB, sprich Ultra Trail Mont Blanc, eine der wichtigsten weltweiten Veranstaltungen für Trailläufer weltweit. Für diese muss man sich allerdings qualifizieren, was nicht ganz zu meiner Leistungsklasse passt, so dass ich mir von der UTMB World Series (dieses Jahr 64 von UTMB veranstaltete Läufe, davon 4 in der gut erreichbaren Schweiz) schlicht die laut Internet von der Landschaft her interessantesten rausgesucht habe. Man kann sich, zumindest bei den bekannteren Veranstaltungen, nicht einfach anmelden, sondern muss sich für ein Lotterieverfahren bewerben. Die Chancen verbessert man, indem man an so genannten UTMB-Index-Läufen teilnimmt und damit Punkte sammelt und gleichzeitig von seiner Leistung her eingestuft wird. Das bedeutet, dass ein Veranstalter sich durch Einhalten bestimmter Kriterien dafür qualifiziert, mit der Marke UTMB als UTMB-Index-Lauf werben zu können, wohl kostenfrei, und dadurch wiederum Teilnehmer zu gewinnen, wie mich, die an UTMB-Veranstaltungen teilnehmen möchten. Trotz bereits 15 UTMB-Index-Läufen bin ich bei meiner ersten Wahl Eiger-Trail nicht zum Zuge gekommen. Bei der zweiten Wahl, Trail Verbier St Bernard, hat es dann geklappt.
Das Event, das sich über drei Tage zieht, bietet Strecken von 140 km (Start Freitagnacht), 43 und 77 km (Samstagvormittag) sowie am Sonntag 28 km und zwei Läufe für Kinder. Neben Hobbyläufern sind auch zahlreiche Profis und Semi-Profis mit am Start. Herausfordernd ist bei einem alpinen Trail-Lauf gar nicht so sehr die Entfernung, sondern die Höhenmeter plus deren Schwierigkeitsgrad, etwa durch besonders steile Anstiege, aber auch steile Abstiege und technisch schwieriges Terrain, etwa steinigen Boden oder Geröllfelder, was man dann gemeinhin „technical trail“ nennt. Ebenso ist auf 2.000 bis 3.000 Metern Höhe über Null die Luft auch etwas dünner, so dass man merklich schneller aus der Puste kommt. Ich bin für die 43 km angetreten, wozu noch einmal 3.000 Höhenmeter kamen. Grob kann man damit rechnen, dass 100 Höhenmeter so viel zeitlicher Aufwand wie 1 km Strecke bedeuten, wenn es technisch wird noch einmal mehr. Sagen wir für in diesem konkreten Fall etwa ein Äquivalent von 80 km, wobei die Belastung natürlich eine andere ist. Auf ebener Strecke werden vor allem die Waden sehr gleichförmig strapaziert, am Berg zusätzlich stark die Oberschenkel, plus die Arme bei Einsatz von Stöcken. Während des Bergablaufens werden zusätzlich die Knie deutlich in Mitleidenschaft gezogen. Selbst wenn man meint, recht anständig trainiert zu sein, fühlt man sich doch oft wie ein Mehlsack, der den Berg nicht so recht hinaufwill und bergab mehr plumpst als läuft, während man auf schmalem Weg rechts und links von gemsenartig oder sogar eher gazellenartig springenden Menschen überholt wird, meist junge Franzosen. Es sei ihnen gegönnt.
Am Ende geht es mir aber ja um das Ankommen und Genießen – „it’s a run, not a race“. Es war zwar durchaus extrem anstrengend, aber keine Qual, kein größeres Leid und auch keine bleibenden Schmerzen, sondern vielmehr Freude und Dankbarkeit. Und die Landschaft war wahrlich spektakulär: Verbier liegt im Südwesten der Schweiz, etwa zwischen Matterhorn und Mont Blanc, nahe der Grenze nach Italien. Der Lauf ging von einer Höhe von 1.600 m, die man per Gondel erreichte, hoch auf den Mont Rogneux mit 3.084 m, hinüber zum Corbassièregletscher, von dort hinab ins Tal auf 850 m und am Ende wieder hinauf nach Verbier auf 1.400 m. Anstrengend war, dass die ersten 1.500 Höhenmeter innerhalb von 12 km erlaufen bzw. ergangen oder erklettert werden mussten. Man hatte dann, nach etwas über 3 Stunden, zwar die Hälfte der Höhenmeter hinter sich, aber eben auch noch drei Viertel der Strecke vor sich. Auch der Anstieg nach Verbier von fast 600 m wurde in nur 4 km bewältigt, was den Abschluss noch einmal besonders hart verdient machte. Nicht leichter wurde dies dadurch, dass die Stunde davor ein heftiger Regen mit Gewitter eingesetzt hatte und man wirklich froh war, dass dies erst nach vollendetem Abstieg begann. Das dadurch etwas kühlere Wetter hatte aber fürs Laufen klare Vorteile gegenüber dem bisher auch in der Schweiz extrem heißen Sommers. Vorsichtig sein muss man: Nur 2 km vor dem Ziel ist etwas vor mir ein Läufer zusammengebrochen, der aber gut von Begleitern und dann auch Sanitätern inklusive Infusion versorgt wurde und später mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus kam. Die Notfallunterstützung ist bei UTMB-Läufen hervorragend, auch im teilweise schwierig zugänglichen Terrain.
Warum lohnt sich die UTMB World Series? Wirklich sehr gut organisierte und sehr international besetzte Läufe. Wo trifft man auf Trails sonst schon gleichzeitig Mitläufer aus den USA, Neuseeland, Hong Kong oder Madagaskar, die extra für den Lauf oder wenigstens für einen damit verbundenen kurzen Urlaub nach Verbier gekommen sind. Jeder hat eine interessante Geschichte zu erzählen (ja, am Anfang unterhält man sich teilweise noch munter). Ganz alleine ist man ohnehin kaum, teilweise an den Steigungen sogar im Stau oder langen Treks, trotz Starts in fünf Wellen. Bei der Startnummernabholung gibt es zwar keine große „Laufmesse“, lediglich die Sponsoren wie Hoka oder Suunto stellen aus. Dafür wird aber jede erdenkliche Art von Merchandise angeboten – die Marke UTMB auf Sportkleidung und Freizeitutensilien. Unter anderem gab es ein schönes T-Shirt, wie man es heutzutage vom Abitur her kennt, mit den Namen aller Teilnehmer – allerdings dann doch so klein geschrieben, dass meine Sehkraft nicht mehr ganz ausreichend war. Trotzdem eine nette Idee, vor allem für die, die vielleicht nur dieses eine Mal einen UTMB-Trail laufen.
Vor allem aber die Landschaft, wie erhofft atemberaubend. Wo kann man sonst bei einer Sportveranstaltung mal eben einen Dreitausender besteigen und noch einen der wenigen verbleibenden Gletscher inklusive vom Wind schwingender Hängebrücke besuchen, daneben Sturzbäche und Wasserfälle. Die Trails in Norddeutschland oder Belgien sind auch schön und durchaus herausfordernd, aber das hier ist dann doch noch einmal eine ganz andere Nummer. Und es gibt vermutlich kaum etwas Spektakuläreres, vor allem nicht in Mitteleuropa. Die Bilder sprechen für sich. Auch wenn der Aufwand mit Anreise aus Düsseldorf nicht ganz klein ist, bin ich in Zukunft gerne einmal wieder in den Alpen dabei.













































Die Läufe im Überblick:
| Strecke [km] | Höhenmeter [m] | Finisher | Beste Zeit [h] | Median Zeit [h] | Cut-off [h] |
| 140 | 8.900 | 228 | 19:42 | 34:28 | 41:30 |
| 77 | 5.000 | 1.112 | 8:39 | 17:10 | 26:00 |
| 43 | 3.000 | 1.391 | 4:27 | 8:49 | 12:40 |
| 28 | 1.700 | 1.047 | 2:32 | 5:22 | 7:00 |