Trailrunning Reports

Trail de Dinant, Belgien, 26.07.2026

Wie ich schon öfter behauptet habe kann man in Belgien an fast jedem Wochenende einen schönen Traillauf finden, meist auch mit Marathondistanz. Das ist besonders praktisch, wenn man Marathons sammelt, aber auch Trails mag. Und da passt der Trail de Dinant besonders gut, da er nicht zu technisch ist und auch die Höhenmeter weitgehend gut verteilt liegen.

Wie immer fing es mit einer ganz anderen Fragestellung an: Mein Sohn ist eine Woche zu einem Feriencamp in Belgien, dass muss sich das Hinbringen auch lohnen, indem man laufen geht. Und gerade einmal 20 Minuten von seinem Château De Courrière entfernt liegt der malerische Ort Dinant an der Maas, in der am gleichen Wochenende die genannte Trailveranstaltung ausgerichtet wird. Veranstaltung, da über zwei Tage alles von 6 bis 60 km im Angebot ist und das ganze auch dem entsprechend professionell aufgemacht ist. Alleine die umfangreiche PDF-Broschüre, die man wenige Wochen vor dem Lauf als letzte Information bekommt, könnte besser nicht sein. Plus UTMB-Index.

Während die kurzen Läufe schon am Samstag stattfinden, starten die Läufe am Sonntag mit 60, 21, 43 und 30 km in dieser Reihenfolge um 7:30, 8:15, 9:00 und 10:00, also alles ganz gemütlich. Parkplätze gibt es auch reichlich und direkt neben dem Start am Dorf-Sportplatz, also völlig stressfrei.

Beim Marathon sind in Summe 1.300 Höhenmeter zu bewältigen, was sich aber recht gut verteilt. Ich habe die Stöcke nur viermal rausgeholt. Hilfreich waren sie, aber es wäre auch ohne gegangen. Mit dem Wetter hatten wir im Prinzip Glück, da der sehr heiße Sommer an ebendiesem Sonntag einmal durch Temperaturen von etwa 20 °C unterbrochen wurde, dazu auf den Höhen noch ein kühlender Wind, leider auch etwas Nieselregen über eine der ersten Stunden hinweg. Ist aber gut getrocknet und hat sicher beigetragen, dass man bis zur ersten Tankstation (nur Wasser) auf Kilometer 13 sehr gut hinkam. Bei 30 °C wäre vermutlich eine weitere Wasserstation angeboten worden.

Die Strecke bis Kilometer 10 verliefen auf der Hochebene Richtung Süden, Getreidefelder, Mais, Wiesen und Kühe, dazu in meiner Nase ein Geruch von Hopfen in der Luft, was eigentlich nicht sein kann. Dennoch angenehmer als der trockene Staub der kurz zu geernteten Felder, den der Regen zudem etwas unterdrückt hat. Richtung erster Station ging es dann einmal steil runter und dann steil wieder hoch, ins Flusstal der Lesse, aber runter gut laufbar und hoch ohne Klettern zu bewältigen. Die Strecken haben alle den gleichen Anfang und das gleiche Ende, für die weiteren Kilometer werden immer weitere Schleifen in Richtung Süden ergänzt. Ganz praktisch, sowohl wenn man abbrechen wollte, als auch weil man am Ende teilweise auf die Läufer der anderen Distanzen trifft. Es ist nach einer Weile nicht mehr so voll, man ist aber auch nie allein. Die Strecke ist aber auch hervorragend ausgezeichnet.

Bis Kilometer 25 zur nächsten Versorgung dann wieder über die Hochebene und teilweise an der Lesse entlang. Schöne Felsen, schmale Pfade, und das Château de Walzin. Alles sehr hübsch. Zur Flussüberquerung geht es meist über Eisenbahnbrücken, teilweise kleinere Fußgängerbrücken, jedenfalls keine nassen Füße.

Richtig interessant wird es danach. Erst etwas rasantere Auf- und Abstiege ins Flusstal, auch zur letzten Verpflegung bei Kilometer 35, dann einige heftig Steile Stücke. Die letzten sieben Kilometer sind die anstrengendsten, aber auch die schönsten. Teilweise gibt es recht interessante Ausblicke, etwa Tal mit Autobahnbrücke, unten Läufer und oben drüber noch eine Zipline. Die Gegend ist generell sehr reich an Freizeitmöglichkeiten, so dass man kein Problem hat, auch als Nicht-Läufer einen Tag oder ein Wochenende zu verbringen. Der letzte Anstieg führt dann durch ein echtes Highlight, die Grotten von Dinant. Teilweise Naturfelsen, teilweise Schächte der nahe gelegenen Zitadelle. Kaum ist man raus ist man auch schon fast am Ziel.

Dort wartet neben einer schönen Holzmedaille auch eine umfangreiche Verköstigung inklusive Grillbetrieb. Als Bier gibt es Chimay. Sehr gut, aber leider muss ich fahren, so dass ich diesmal darauf verzichte.

In Summe ein sich schön steigernder Lauf mit echten Highlights, so dass sich das Anfahren aus Deutschland durchaus lohnt. Auch gut zum Reinkommen ins Traillaufen, da nicht ganz so herausfordernd wie die technischeren Läufe weiter südöstlich in den Ardennen. Und mit 38 Euro für den Marathon sehr fair bepreist. Deutsche waren übrigens fast gar nicht vertreten, zwei bei 60 km und noch eine bei 30 km, also 4 von fast 2.500.

Die Läufe im Überblick (von Cut-Offs habe ich nichts gelesen):

Strecke [km]

Höhenmeter[m]

Finisher

Beste Zeit [h]

Median Zeit [h]

6

200

334

00:29

00:51

12

480

556

00:58

01:55

21

750

552

01:43

02:55

30

1.050

446

03:43

05:27

42

1.300

348

05:10

07:50

60

1.700

192