Hartfüßler Trail, Saarbrücken, 59 km, 23.08.2026
Das Waldschutzgebiet Steinbachtal/Netzbachtal, in dem der Hartfüßlertrail verläuft, wird schon auf der braunen touristische Unterrichtungstafel an der Autobahn als „Urwald vor den Toren der Stadt“ angekündigt. Neben dieser schönen Landschaft, die gerade im Sommer nicht nur Natur, sondern auch Schatten verspricht, gibt es jedoch mindestens vier besondere Highlights: Hohe Abraumhalden aus dem lokalen Bergbau, inklusive vier Gipfelkreuzen. Selbst bei Trails in den Alpen bekommt man meist nur ein oder zwei Gipfelkreuze geboten.
Das Saarland bietet einige sehr interessante Trailläufe, von denen das Losheimer Trailfest, der Hartfüßler Trail und X-MAS Trail Weiskirchen die bekanntesten sind – und alle werden vom gleichen Team, dem HartfüßlerTrail e.V. mit viel Liebe veranstaltet. Der gleichnamige Lauf findet nunmehr zum 15. Mal statt, und die langjährige Erfahrung spürt man deutlich, sowohl bei der Streckengestaltung, beim Timing mit acht Zwischenzeitnahmen und beim Start- und Zielbereich. Dort steht neben den Bierbänken sogar eine riesige digitale Leinwand, auf der die Zuschauer während des Laufs die Position der Läufer verfolgen können. Wie bei den ganz großen Rennen, obwohl wir hier von noch gerade überschaubaren rund 750 Teilnehmern sprechen.
Der Hartfüßler Trail braucht eigentlich gar keinen weiteren Laufbericht. Die Anmeldeseite selber bietet neben den allgemeinen Informationen bereits eine umfassende Beschreibung der Strecke, der Umgebung, selbst der Geschichte des Bergbaus im Saarland, mit exzellenten Fotos. Ebenso ist in den 2010er Jahren fast jedes Jahr ein Laufbericht auf trailrunning.de entstanden, der letzte, schon aus pandemiehistorischen Gründen sehr interessante, aus dem Jahr 2020. Hier aber zur Auffrischung doch ein neuer Bericht.
Im Angebot stehen heute Strecken zwischen 7,5 und 59 km, Laufen und Wandern (bis zu 30 km) und dazu auch noch gutes Wetter. Die Akkreditierung als ITRA National League und UTMB-Index Lauf machen das Angebot noch attraktiver, die 59 km erzeugen zudem einen schönen Eintrag beim DUV, da endlich einmal wieder eine 5 vorne steht, ja fast eine 6. Die Veranstaltung ist auf allen Strecken ausverkauft, auch die letzten Plätze von kurzfristig Zurückgetrenen werden in den Tagen vor dem Rennen noch rasch wieder vergeben. Hilfreich bei der Anmeldung, die schon 10 Monate vorher beginnt, ist die Option, mit nur 5 Euro Stornokosten zurückzutreten. Während man bei anderen Läufen mit der Anmeldung vielleicht zögert, greift man hier sofort zu. Und fährt dann aber auch hin, denn Rücktritte sind ja nur für ernsthaft Erkrankte, oder solche, die kurzfristig zur Hochzeit eines guten Freundes eingeladen wurden, gerechtfertigt.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich noch nie Saarland war, oder zumindest nie aus Auto oder Zug ausgestiegen bin. Da es von Düsseldorf doch satte drei Stunden Anreise sind fahre ich also einen Tag früher los. Es gibt in der Gegend recht günstige Pensionen für die Nacht, so dass es ein ganz entspanntes Urlaubswochenende wird. Und am Vortag kann man nicht nur seine Startunterlagen schon abholen, sondern auf dem Weg auch noch in Trier an der Porta Nigra halten (auch die Stadt selbst ist recht hübsch), am Baumwipfelpfad an der Saarschleife wandern (Ort des wohl bekanntesten Flussschleifenfotos Deutschlands), das Villeroy&Boch Museum besuchen (wirklich interessant) und vielleicht sogar noch die Völklinger Hütte erkunden (da fand allerdings gerade ein recht düsteres Rave-Konzert statt, nicht so mein Ding).
Bei der Abholung auch am Vortag übrigens die Ausrüstung nicht vergessen: Das Vorhandensein von Trinkvorrat und Notfalldecke wird strikt überprüft. Ist aber auch beides wichtig. Start ist am Sonntag um 8 Uhr, 10 Stunden Zeit. Es ist morgens so kühl, dass einige langärmlig loslaufen und soll nicht ganz so warm werden, also perfekt. Nur oben auf den Halden wird es mangels Bewaldung doch einmal kurz richtig heiß. Glücklicherweise regnet es nicht, was fast schon überrascht, da in der davor liegenden Woche die Natur die Versäumnisse der letzten Monate nachgeholt hatte und damit so manchen Garten und auch die Binnenschifffahrt gerettet hat. Hier im Wald hat die Hitze allerdings so manchen Baum zum Umstürzen gebracht oder wenigstens einen Astbruch verursacht, so dass an einigen Stellen die Strecke noch am Vortag angepasst wurde.
Die Strecke ist trotz der angekündigten über 1.600 Höhenmeter gut zu laufen, sowohl bergab als auch über weite Strecken langsam bergauf. Zwischendurch kommen dann die erwähnten Halden, mal 50 m und mal 100 m in die Höhe und meist auch wieder recht steil bergab. Die erste, Bergehalde Viktoria, ist noch ganz gut zu nehmen. Leichter macht es einem die Musik, die man schon beim Aufstieg vernimmt. In der Tat stehen am Kreuz zwei Jungs mit Trompete, die unablässig das in allen Montanregionen gerne gehörte Steigerlied spielen. Da ich selber im Ruhrgebiet arbeite und so diese Melodie fest im Ohr habe, musste ich mich bei den beiden für diesen Empfang besonders persönlich bedanken, Heimatgefühle im Saarland. Und wie fast auf allen Halden hat man einen tollen Ausblick, so dass viele Läufer innehalten und ein Foto schießen.
Den Berg wieder hinab geht es erst einmal flach weiter. Am ersten Verpflegungspunkt laufen viele vorbei, da in angenehmen Temperaturen nicht ganz so schweißtreibend sind und man mit dem ersten Liter doch noch ein Stück weit kommt. Die VPs liegen grob bei 9, 20, 30, 40 und 52 Kilometer – gut machbar. Die Strecke ist wie gesagt recht angenehm, so dass ich mich einige Male richtig verquatsche. Der Trail ist zwar anständig gekennzeichnet, aber auch nicht übermäßig, so dass wir am Windrad gleich einmal mutig den großen Weg geradeaus laufen, statt wie vorgeschrieben scharf links in die Büsche abzubiegen. Die Uhr rettet uns nach 50 Metern, kein Problem. Danach dann eine kurze Weile an der Autobahn entlang, die das Waldgebiet durchtrennt, und einmal drunter durch. Kurz vor dem Ziel kreuzt die Autobahn noch einmal, dann über eine Brücke. Kleinere Straßenüberquerungen gibt es auch eine ganze Reihe, aber jede ist fachmännisch vom THW gesichert und es ist praktisch keinerlei Verkehr. Auch Wanderer gibt es auf der ganzen Strecke nur wenige, fast gar keine Radfahrer, so dass man den Wald für sich alleine hat. Und das ist etappenweise wirklich so, denn der flache Streckenverlauf führt dazu, dass das Feld sich recht schnell auseinanderzieht und man beizeiten ganz alleine ist. Da ich meist relativ langsam loslaufe und auf der zweiten Hälfte dann etwas Gas gebe war bei den 40 Leuten, die ich überholt habe, aber immer mal jemand dabei, mit dem man sich auch länger unterhalten konnte. Einige Läufer hatte ich schon in der Vorwoche auf dem Hunsbuckel Trail getroffen – insgesamt 7 Wiederholungstäter mit den 47 und jetzt 59 Kilometern. Ein Begeleiter war ein ganz junger Läufer auf seinem ersten Ultra, dem man über eine Stunde lang ein bisschen Erfahrung weitergeben konnte. Ein anderer ist durch sein Laufhemd #letsbeatdepression schon am Start aufgefallen: Hier geht es um den Verein „Wir für Yannick“, der sich besonders um das Thema Depressionen unter Sportlern kümmert. Wichtig und notwendig.
Etwa bei Kilometer 18 kommt der „kleine Fuji“. Unterbrechung des angenehmen Laufens, Treppe steil hoch und wieder runter. Oben allerdings Bäume und keine Aussicht, anders als beim richtigen Fuji, aber man sollte so eine Minihalde, wenn sie schon direkt an der Strecke liegt, ja nicht auslassen. Überhaupt wird man immer mal wieder an den Bergbau erinnert, sei es durch Erinnerungssteine oder durch Grubengasanlagen oder durch die verschiedenen Bauwerke des Bergbaus, allen voran die Fördertürme. Der imposanteste findet sich am Verpflegungspunkt 3, unmittelbar vor dem durchaus anstrengenden Aufstieg zur Berghalde Göttelborn. Diese ist sehr wenig bewaldet, was aber auch seinen Reiz hat. Man ist hier und auch später noch zweimal wie in einer Mondlandschaft unterwegs. Während im Ruhrgebiet die meisten Halden begrünt sind ist dies im Saarland wohl aufgrund der größeren Steilheit der Aufschüttungen und wegen des höheren Restkohlegehaltes nicht so leicht möglich. Einige Bereiche sind auch schlicht noch in Arbeit.
Die letzte hohe Besteigung kommt bei Kilometer 48 an der Grube Campenhausen. Zunächst einmal weniger steil, dann aber doch länger als man denkt und abenteuerlich durch einen noch aktiven Bauabschnitt bergab. Aber man ist ja auf den letzten 10 Kilometern, was mental fast schon der Schlussspurt ist, und so macht die Abwechslung Spaß. Ganz ist man allerdings noch nicht durch, denn der Fischbach will noch zweimal durchquert werden. Der erste Übergang ist recht flach, der zweite hat auf der Gegenseite eine recht rutschige Steigung. Der Läufer vor mir kommt mit Stöcken halbwegs sicher hoch. Ich selber halte mich am bereitliegenden Seil fest, was sehr stabil ist. Der Läufer hinter mit rutscht aus und fällt rücklings in den Bach (kein Foto). Nicht so schön, aber bis zum Ziel ist auch er wieder trocken. Noch ein VP und eine letzte kleine Halde und schon ist man zurück. Da ich in der zweiten Hälfte des Feldes eintreffe sind einige schon gegangen, viele aber auch noch da und viele kommen noch dazu. Mit der Startnummer bekommt an ein Bier und eine Mahlzeit, in meinem Fall ein Grapefruitradler (gar nicht schlecht nach dem Sport) und eine frische Bratwurst (perfekt). Vom Förderverein der Schule, auf deren Schulhof das Ganze stattfindet, gibt es noch selbstgebackenen Kuchen zu kaufen. Was will man mehr vom Leben.
Und als letzten Bonus lerne ich einmal persönlich Hendrik Dörr vom HartfüßlerTrail e.V. kennen, der, wenn er nicht gerade etwas organisiert, auf trailrunning.de die interessantesten Laufberichte schreibt. Das macht Lust auf mehr!

































































































Die Läufe im Überblick:
Strecke [km] | Höhenmeter[m] | Finisher | Beste Zeit [h] | Median Zeit [h] | Cut-off [h] |
59 | 1.654 | 168 | 05:09 | 07:46 | 10:00 |
30 | 924 | 265 | 02:25 | 03:55 | 6:00 |
30 Wandern | 924 | 48 | 04:25 | 06:42 | 10:00 |
14 | 296 | 190 | 01:07 | 01:39 | – |
7,5 | 194 | 60 | 00:36 | 01:03 | – |