Trail du Hérou, Nadrin, Belgien, 43 km, 12.09.26
Abfahrt 5:00 Uhr in Düsseldorf, um den Start um 8:30 sicher zu erreichen. Ich sitze relativ wach im Auto, da ich rechtzeitig ins Bett gegangen bin, und habe aber auch gar keine Lust auf einen Traillauf. Zumal noch mit über 2.000 Höhenmetern und bei mächtig Nebel auf der Autobahn. Ich bin in den letzten zwei Monaten 7 Marathons und Ultramarathons gelaufen und habe das Gefühl, dass es auch einmal zu viel sein kann. Wie immer habe ich auf der Hinfahrt weder Musik noch Podcast an und kann den Kopf so richtig freibekommen. Und als ich die Ortsschilder am Weg sehe – Malmedy, Stavelot, Trois-Pont, La-Roche-en-Ardenne – fühle ich mich wieder wie zuhause. Gleichzeitig fahre ich um die Hohe Venn herum, die im August gebrannt hat, und kann mir vorstellen, welche herrliche Landschaft hier zerstört wurde. Während von den aktuellen Läufen wohl nur die Langstecken des Ultra Trail des Sources wegen des Schadens gestrichen wurden und der Trail des Hautes Fagnes vermutlich mit geänderten Strecken stattfinden wird, die ich beide schon gelaufen bin, ist das Feuer gefühlt auch ein persönlicher Verlust.
Bei Ankunft ist es kühl, so dass ich das erste Mal seit dem Sommer mit Jacke zur Anmeldung gehe. Hier gibt es keine Startnummern mit Namen, die Zahlen werden der Reihe nach ausgegeben, Zuordnung des Läufers per QR-Code von der Anmeldungsmail. Effizient, nachvollziehbar, aber auch schade, denn man muss die Namen der Läufer, mit denen man sich unterhält, nun erfragen. Ansonsten alles brillant. Die Läufe starten ab 8 Uhr im Halbstundenabstand von länger zu kürzer. Alle Details wurden Wochen vorher mit einer umfassenden PDF-Datei erläutert, so dass keine Fragen offenbleiben. Bis auf die tatsächlichen Höhenmeter. Auf meiner Strecke von 43 km werden bei der Anmeldung 2.200 m genannt, bei der Detaildarstellung 2.236 m, in der Broschüre 1.500 m, laut GPX-Track sind es 1.470 m, laut meiner Uhr 2.800 m, beim Start werden noch einmal 2.236 m genannt, woran nach dem Zieleinlauf von meinem Erschöpfungsgrad abgeleitet glaube. Auf der Strecke gibt es Abzweigungen, die so konstruiert sind, dass man den Weg teilweise mit einigen der besonders schnellen Läufern der anderen Gruppen teilt. Das ist nett, führt aber dazu, dass einige sehr Schnelle Kurzstreckenläufer wie die Verrückten an den schmalen und teilweise steilen Stellen die Längerläufer überholen. Ist aber alles gut gegangen. Beste Strategie ist, sich einen handlichen Baum am Weg zu greifen und kurz dahinterzuschwingen, damit der Weg für die Schnelleren kurz frei wird und niemand ins Rutschen gerät.
Die Strecke selber liegt praktisch vollständig in der Natur, keine Durchquerungen von Ortschaften, im Nationalpark Le Hérou Le Parc naturel des deux Ourthes. Zwei kleine Flüsse namens Ourthe fließen zu einer größeren Ourthe zusammen. Der Trail geht an diesen Flüsschen entlang, aber immer nur kurz, und dann die steilen Hänge zum Hochplateau hoch und runter. Teilweise mächtig steil, und von Steigung von Anfang bis zum Versorgungspunkt bei 33 km zunehmend (die anderen befinden sich bei 12, 16 und 22 km). Vor allem der letzte ist wirklich heftig, so dass ich, während ich an den anderen Stationen nur Wasser nachgefüllt habe, hier doch ein paar Minuten verweile. Einige Pfadfinder haben neben der Standardversorgung einmal wieder frisch aufgeschnittene Salami im Angebot – hervorragend. Auf den letzten Kilometern soll es dann flach am Fluss entlang gehen und dann in zwei Abschnitten noch einmal steil nach Nadrin zurück. Das täuscht allerdings, denn die Strecke im Tal ist von Felsen, Bäumen und Wurzeln übersäht, so dass man kaum laufen kann und extrem auf seinen Tritt achten muss. Ich stolpere auch öfter, was ich auf Erschöpfung zurückführe, denn ich weiß ja eigentlich, dass ich die Füße auf solchen Strecken hochnehmen muss. Eine Läuferin vor mir stürzt spektakulär, genau in dem Moment, in dem ich ein Foto mache, rollt aber perfekt ab (Foto habe ich rausgenommen). Gefallen bin ich selber nicht, habe mir aber leider wieder beim Stolpern den großen Zeh mehrmals so blöd angestoßen, dass man einmal wieder um die Überlebenschancen des Nagels bangen muss. Immer der linke.
Ansonsten eine herrliche Strecke, die Bilder sagen alles. Glücklicherweise war es recht trocken, so dass es, anders als ich es von Belgien kenne, aber auch gar keinen Match gab und auch die Durchquerungen der Ourthe nicht über die Waden hinausgingen – wenn man nicht wie der eine oder andere gestolpert ist. Das Wetter hat sich auch gebessert, so dass nach einer Stunde das lange Laufshirt und der Halswärmer wegkonnten und stattdessen die Sonnenkappe aufgesetzt wurde. Am Folgetag hat es übrigens ganztags in Strömen geregnet – welch ein Segen doch das passende Wetter ist. Ein Abschnitt des Trails ist übrigens identisch mit dem Trail des Sangliers (März 2025), so dass einem die Region noch vertrauter vorkommt.
Leider musste ich feststellen, dass wieder sehr wenige Deutsche am Start waren, zwei um genau zu sein – weniger als Italiener, Spanier, Ukrainer und Australier. Ich schreibe seit fast vier Jahren Laufberichte, insbesondere über belgische Trails, um diese auf www.trailrunning.de populärer zu machen. Hat nicht gefruchtet. Da die Läufe nach all den Jahren dann doch auch oft ähnlich sind, werde ich mich in Zukunft mit dem Schreiben zurückhalten und mich auf wirklich neue und außerordentliche Veranstaltungen konzentrieren.
























































Die Läufe im Überblick:
Strecke [km] | Höhenmeter[m] | Finisher | Beste Zeit [h] | Median Zeit [h] |
60 | 2.700 | 100 | 05:53 | 09:33 |
43 | 2.236 | 198 | 03:50 | 06:22 |
33 | 1.740 | 217 | 03:05 | 05:16 |
25 | 1.450 | 273 | 03:56 | 06:42 |
16 | 1.050 | 279 | 01:28 | 02:44 |
7,5 | 320 | 245 | 00:28 | 01:15 |